Geschichte

1. Ein Quartier erhält einen Wachstumsschub oder das neue Weyquartier

Mit dem Löwendenkmal, das 1821 als Gedenkstätte für die Schweizer Gardisten, die beim Sturm des Volkes in den Tuilerien in Paris am 10. August 1792 starben, errichtet wurde, fand ein Quartier ausserhalb der ummauerten Stadt und des Wirtschaftszentrums plötzlich touristische Aufmerksamkeit. Lediglich die Ausfallstrasse nach Zürich führte durch das Quartier, die aber erst um 1830 grössere Bedeutung als Verbindung für den Warenverkehr mit der stärker industrialisierenden Nordost-Schweiz erhielt. Deshalb siedelten sich vor allem Fuhrhalter und Hufschmiede im Gebiet Zürichstrasse/Äusseres Weggistor an. Ein letzter Rest dieses Transportgewerbes war bis vor ein paar Jahren in der Garage Auto Koch im Bourbaki-Panorama zu sehen.

Dieses „im Wey“ genannte Quartier war damals mit seinen zwar verlandeten Weihern immer noch feucht. Das Problem des hohen Wasserstandes wurde dadurch umgangen, dass der Weg aus der befestigten Stadt zur Hofkirche entweder stark landwärts über die Hofstrasse oder über die Hofbrücke führte. Beim Bau des Löwendenkmals besass man also noch keine Querverbindung an den See. Erst mit dem Bau des Hotels Schweizerhof und der Anlegung des Schweizerhofquais hatte man das Bedürfnis, die Fremden von ihren Gasthäusern direkt zum Löwendenkmal leiten zu können. Es sollte natürlich eine moderne Strasse sein, die dem verschwenderisch viel Platz einnehmenden, breiten Quai am See ebenbürtig war. Nachdem 1854 das letzte, östliche Stück der Hofbrücke abgebrochen worden war, errichtete man bereits fünf Jahre später die Querachse, die Alpenstrasse, als Verbindung des Seeufers mit dem heutigen Museumsplatz. Dieser wurde allerdings erst im Jahr darauf geschaffen, indem man das Aeussere Weggistor abbrach und die dortige Stadtmauer um 10 Meter kürzte. Als „Hinterland“ der seeseitigen Hotelbauten gewann das Quartier gegen das Löwendenkmal immer mehr an Bedeutung. Zunächst war es noch schwach besiedelt, mit Bierbrauereinen, einer Druckerei und Kleingewerbe. Die Zunahme der Touristen, die von ihrem Hotel am See zum Löwendenkmal pilgerten und natürlich auch Reiseandenken zu kaufen wünschten, führte zum Aufbau verschiedenster Andenkenbuden. Um eine völlig ungeordnete Ueberbauung zu verhindern, wurde ein Bebauungsplan mit einem Raster erstellt und in der Folge ausgeführt. Eine eigentliche Verdichtung der Mietshauszeilen mit einer hohen Wohndichte erfolgte um 1870. Als letztes Relikt des alten Luzern hat sich bis heute die gekrümmte Hofstrasse erhalten. Die Andenkenbuden verschwanden mit der neuen Überbauung, aber jedes zweite Haus besass schliesslich um 1900 einen „Salon d` Art“, d.h. Souvenirshop. In diesem Sinne schrieb 1897 Mark Twain einem Freund, mit welchem er 19 Jahre zuvor in Luzern gewesen war: „Ach, Du würdest Luzern nicht wieder erkennen, bloss die Brücken und neun alte Türme.“

2. Der Quartierverein Hochwacht

Es waren Gewerbebetreibende und Kleinhandwerker, die am 22. Juni 1874 einen Verein zur Wahrung der Quartierinteressen gründeten. Somit ist der Quartierverein „Hochwacht“, nach dem Quartierverein“ Wächter am Gütsch“, der zweitälteste Quartierverein Luzerns. Während zu Beginn noch die Grenzumschreibung Quartier Hof, Alpenstrasse, Allenwinden, Maihof, Wesemlin, Dreilinden, Halde und Landbezirke galt, begannen sich nach 1914 einzelne Gebiete abzulösen und selbstständig zu machen.   Als Zweckbestimmung galt von Anfang an  die Förderung der allgemeinen Wohlfahrt und derjenigen des Quartiers insbesondere, gegenseitige Belehrung und Unterhaltung eines freundschaftlichen, geselligen Zusammenlebens der Mitglieder. 1917 schliesslich wurden auch die Behandlung von Fragen baulicher, hygienischer und ästhetischer Natur, sowie Werke der Gemeinützigkeit darin aufgenommen. Dies gilt heute noch immer. Wenn der Verein im Gegensatz zu früher nun auch konfessionell und politisch neutral bleibt. In den frühen Jahren war es durchaus üblich gewesen, dass der Verein bei Volksabstimmungen Parolen herausgegeben hatte.